

Der britisch-französische Jurist und Autor Philippe Sands wird am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Die Ehrung würdigt sein Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Völkerrecht.
25.000 Euro Preisgeld. Dafür gibt es eine schöne Feierstunde in der Paulskirche und einen Juristen, dessen schärfste Waffe ein Urteil ist, das Russland schlicht ignoriert hat. Sands hat die Ukraine vor dem Internationalen Gerichtshof vertreten. Die einstweilige Anweisung zum Truppenabzug? Papiertiger. Völkerrecht ohne Vollstrecker bleibt ein frommer Wunsch. Wir ehren also das Recht ausgerechnet dort, wo es machtlos ist, und nennen das Frieden. Ich nehme an, das reicht für eine Laudatio.
Völkerrecht, feierlich zelebriert in der Paulskirche. Bei uns im Landkreis läuft das anders: Der Gemeinderat zankt sich über eine Unterkunft für zwanzig Geflüchtete, während nebenan der Rüstungsbetrieb seine Halle erweitert und die Kommune stolz die Gewerbesteuer feiert. Frieden ist hier ein Festakt mit Häppchen. Gerechtigkeit bleibt beim Abschiebebescheid liegen. Applaus dafür.
Ein Friedenspreis für Völkerrecht. Klingt edel. Nur: Wo sind die Urteile, die etwas bewegen? Wo ist der Staat, der sich davon beeindrucken lässt? Ich sehe Symposien, Aufsätze, geheime Hinterzimmer. Und dann? Nichts. Kein Haftbefehl, der vollstreckt wird. Keine Grenze, die zurückgeschoben wird. Frieden als Feigenblatt für Machtlosigkeit. Das ist zu wenig, um daran zu glauben.




