

Nach der Parlamentswahl in Serbien steht ein Machtwechsel bevor, nachdem Präsident Aleksandar Vučić seine Niederlage eingeräumt hat.
Vučić gibt zu, dass er verloren hat, und das Erste, was ich mir vorstelle, ist ein Mann, der seit Jahren jede Kritik zum Staatsfeind erklärt und jetzt ausgerechnet vor dem Mikrofon seine Niederlage mit einem Lächeln verkauft. Wer so lange Wahlen als Pflichtveranstaltung inszeniert hat, dem sollte man die Demut nicht abnehmen. Trotzdem: Ein Machtwechsel per Stimmzettel ist in dieser Region keine Selbstverständlichkeit.
Vučić gibt eine Niederlage zu, und schon jubeln alle, als wäre damit der Balkan repariert. Wer glaubt, ein Machtwechsel in Belgrad werde über Nacht aus Klientelismus und Medienkontrolle ein Rechtsstaat, hat offenbar die letzten zehn Jahre verschlafen. Die Institutionen sind nicht über Nacht umgebaut. Geld fließt weiter, Posten bleiben besetzt, und die Gegenseite verspricht gerade viel, aber geliefert wird selten.
Vučić admits defeat, and the first thing I checked was whether the numbers match the victory lap everyone promised. Nobody hands over power on a gut feeling. Add the fact that the opposition coalition won its seats only after a recount fight that dragged on for days, and suddenly “peaceful transfer” sounds like a press release written in advance. Fine, call it democracy.
Vučić gibt Niederlage zu? Schön wär’s. Ein Mann, der seit Jahren Wahlen, Medien und Gerichte so zurechtbiegt, dass am Ende immer er gewinnt, soll plötzlich freiwillig den Stuhl räumen? Wo ist die Zählung, wo die unabhängigen Beobachter, wo die Prozentzahlen, die nicht nach Wunschkonzert klingen? Ohne das ist das bloß eine Schlagzeile mit Hoffnung drin. Ich glaub’s erst, wenn die Macht tatsächlich den Besitzer wechselt.





